Warum AIKIDO?

Aikido 24. November 2016

Das ist eine Frage, die immer mal wieder auftaucht, gerade, wenn der Anfängerkurs begonnen hat. Und die Antworten, die man darauf bekommt und sich vielleicht auch selber gibt, sind sehr unterschiedlich.

Eine Kampfsportart zu beginnen oder auch von einer anderen zu Aikido zu wechseln, da sind meistens bestimmte Erwartungen daran geknüpft. Ich habe eine Sportart gesucht, die mich, als beruflich sehr eingespannte Person, nicht von einer Mannschaft abhängig macht, aber dennoch in der Gruppe ausgeübt wird. Ich wollte auch Spaß haben, mich unterhalten und beim Schwitzen nicht ganz allein sein.

Bei einer Vorführung der Aikido-Gruppe haben mich die eleganten Bewegungen und die (scheinbare) Leichtigkeit dieses Kampfsports fasziniert. Und nun bin ich schon sieben Jahre mit Spaß dabei. In den Anfängerkursen sieht es ähnlich aus: Beruflich eingespannte, dazu noch familiär eigentlich ausgelastete Frauen und Männer stehen da, um sich in den nächsten 2 Stunden einen Eindruck zu verschaffen, ob Aikido das Richtige für sie ist.

Um eine Enttäuschung vorweg zu nehmen: Aikido lernt man nicht in ein paar Übungsstunden. Ehrlich gesagt, am Anfang kommt man sich wie ein Bewegungslegastheniker vor.

Ich habe ständig Rechts und Links verwechselt und beobachte diese erste Hürde auch häufig bei den Neueinsteigern. Aber: Alles kein Drama, denn der Körper hat ein gutes Gedächtnis und irgendwann geht es dann auch fast schon automatisch.

Genauso das Rollen: Den letzten Purzelbaum habe ich während meiner Schulzeit gemacht und die liegt jetzt schon eine ganze Weile zurück. Das Rollen ist aber das A und O im Aikido, denn damit macht man es einem Angreifer schwerer von ihm gefaßt oder verletzt zu werden und man man fällt sicher. Auch das Bedarf der Übung und vor allem auch Vertrauen in seinen Übungspartner, ohne den Aikido nicht geht.

Im Training darf immer gelacht werden. Natürlich sollen wir uns auf die Übungen konzentrieren, damit nichts schief geht, aber wenn mal etwas nicht so gekonnt aussieht – was sollLs! Lachen lockert die Bauchmuskulatur und beim nächsten Versuch geht die Übung dann schon besser.

Fassungslos hört man Begriffe wie Tenkan-ashi, Shi-ho-nage oder Ude-osae. – Naja, Aikido ist in Japan entstanden und als Kampfsportstil noch gar nicht so alt – etwa 100 Jahre und O-Sensei Ueyshiba hat damals sicher noch nicht an deutsche Übersetzungen seiner Anweisungen gedacht.

Man wird nicht japanisch lernen, aber die Begriffe prägen sich ein und spätestens zur ersten Prüfung zum Gelbgurt, kann man sie dann auch unterscheiden. Es baut sich alles nach und nach auf, deshalb ist keine Stunde wie die andere und es wird nie langweilig.

Ich habe als erstes gelernt, das auch das Angreifen beim Aikido gelernt sein will und der Partner wissen muss, wie er auf Zuruf im Training angreift und ich dann „nurg noch reagieren muss. Klasse fand ich als Anfänger auch, daß immer alle mit allen trainiert haben, also ein Anfänger wird dann auch von bereits Fortgeschrittenen angegriffen und umgekehrt, wobei aber immer Rücksicht auf das Können des „Schwächereng genommen wird.

Dabei lernt jeder von jedem, so das keinem sein „Noch-Nicht-Könneng unter die Nase gerieben wird. Da Aikido nichts mit Körperkraft, sondern mit Ausnutzen der Energie des Angreifers und mit Hebeln zu tun hat, kann auch immer wieder David Goliath besiegen, wobei im Aikido dann auch Goliath seine Chance bekommt.

Irgendwann kommt dann der Tag, an dem der Meister befindet, daß es Zeit wird sich der ersten Prüfung zum Gelbgurt zu stellen.

Die erste Prüfung ist die schwerste: Es kostet schon Überwindung, sie zu machen. Und das Lampenfieber, ob auch alles, was man gelernt hat, glatt geht, ist auf alle Fälle mit dabei.

Umso stolzer war ich dann, als ich sie geschafft habe und der persönliche Ehrgeiz weiterzumachen, hatte mich seitdem gepackt.

Und nicht nur mir, sondern vielen Aikidoka geht es so, daß sie sich persönlich weiterentwickeln und verbessern wollen. Und das ohne Druck, es zu müssen. Sondern einfach nur, weil es einem selbst Spaß macht daran zu feilen.

Warum also ausgerechnet Aikido? – Genau aus allen diesen Gründen!

Carola Möhring (2. Dan Aikido)

Nachtrag:

„Warum Aikido“ ist ein Artikel, den ich vor über 3 Jahren verfasst habe. Inzwischen bin ich ein Stückchen weiter gekommen, habe meinen Trainerschein in Aikido gemacht und trage einen schwarzen Gürtel, den ersten, bei dem es aber nicht bleiben soll. Damit habe ich schon eine Menge verraten – ich bin älter geworden, aber immer noch mit Spaß und Ehrgeiz dabei. Inzwischen gebe ich mein Wissen sogar an Jugendliche und auch an Erwachsene in Übungsstunden weiter. Rückblickend bin ich immer noch froh, diesen Sport gefunden zu haben. Jetzt mehr und mehr, wo es im Alltag immer hektischer wird und wir alle im ständigen, gegenseitigen Konkurrenzkampf stehen und sei es nur um den Parkplatz im Einkaufszentrum. Aikido "entschleunigt", nimmt den Druck von Dir, immer 100% funktionieren zu müssen und setzt die Maßstäbe, die Du Dir selbst auferlegst. Sehr beruhigen einmal selbst bestimmen zu können, was und wie viel ich zu leisten bereit bin. Da ich viel im Auto unterwegs bin, bin ich auch für die gleichmäßigen Bewegungen dankbar, die den ganzen Körper trainieren – vor allem auch die verspannte Rückenmuskulatur. Aber bitte nicht denken, dass Aikido eine "Gesundheitssportart" ist – es ist eine Kampfkunst, die der Körperbeherrschung, als auch dem Geist Einiges abverlangt. Aber man wächst mit seinem Können – in beiderlei Hinsicht.

Deswegen habe ich dem Artikel höchstens noch hinzuzufügen: Kommt vorbei, macht mit und probiert es aus – wir kümmern uns individuell um Jeden, ob im Rahmen eines Anfängerkurs oder wenn ihr einfach zum Training vorbeikommt.

Carola Möhring